Gutes Silber, schlechtes Silber

Im September 2022 fand Henning Beneke, in der Gemarkung Wietzen (Gde. Wietzen, Ldkr. Nienburg/Weser) ein seltenes Stück Schaumburger Geschichte: 4 Mariengroschen der Grafschaft Holstein-Schaumburg von 1624 aus der Herrschaftszeit von Graf Jobst Hermann (1622–1635).
Die Silbermünze, die mittig einen deutlichen Knick ausweist, zeigt auf der Vorderseite zentral umgeben von einem Perlkreisrand das gekrönte Schaumburger Nesselwappen mit Nägeln. Links und rechts davon findet sich die Jahreszahl 1624 (1-6/Z-4). Es folgt umlaufend die Legende IUS·HE·DG·C·H·S·ES·DGE· deren Abschluss eine Blüte bildet. Die Rückseite stellt mittig ebenfalls von einem Perlkreisrand umgeben den Wert in 4 Zeilen (·IIII· / MARI· / GRO· / Stern) dar. Darauf folgt außen umlaufend die Legende LANDT·MUNTZ·V·FEIN·SIL gefolgt von einer Blüte.
Justus Hermann hatte zwei Jahre zuvor die Grafschaft von dem kinderlosen Fürst Ernst (1601–1622) geerbt und folgte 1623 dem Vorbild Herzog Friedrich Ulrichs von Braunschweig-Wolfenbüttel, der seit seinem Münzedikt vom 8. Dezember 1623 Landmünzen aus reinem Silber prägen ließ. Dies geschah als Reaktion auf die sogenannte Kipper- und Wipperzeit, in der Münzen mit einem hohen Silbergehalt eingeschmolzen wurden, worauf hin das Silber mit Kupfer „gestreckt“ wurde, um dann durch die Technik des Weißsiedens den Eindruck einer Münze mit hohem Silbergehalt zu schaffen.
So ließ auch Graf Justus minderwertige Scheidemünzen einziehen und zwischen 1624 und 1626 sowohl 2 als auch 4 Mariengroschen aus „feinem Silber“ prägen.
Die Seltenheit der vorliegenden Münze liegt in ihrer kurzen Prägezeit, die aus Mangel an reinem Silber begrenzt war.

Finder, Fundmelder, Fundverbleib: Henning Beneke, Wietzen; Fundnummer: SL 2022/185-642; Text und Fotos: K. Kellner

Literatur:
P. Weinmeister: Münzgeschichte der Grafschaft Holstein-Schauenburg. Zeitschrift für Numismatik 26, 1908, 348–481.
Das Fenster in der Kreissparkasse Köln, Thema 148, März 2006: Von feinem Silber. Der Versuch, mit gutem Geld schlechtes zu verdrängen (Das Fenster_168_fin (ksk-koeln.de))

Vorderseite: 4 Mariengroschen, Fundort Wietzen (Gde. Wietzen, Ldkr. Nienburg/Weser).
Rückseite: 4 Mariengroschen, Fundort Wietzen (Gde. Wietzen, Ldkr. Nienburg/Weser).