Aktuelles
"Kultur entwickeln im Flächenland Niedersachsen"
Derzeit stellt das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) in einem umfangreichen Beteiligungsverfahren die aktuelle Kulturpolitik auf den Prüfstand: Das „Kulturentwicklungskonzept Niedersachsen“. Daran beteiligen sich auf verschiedenen Ebenen auch die Landschaften und Landschaftsverbände. Insbesondere die vier für den Herbst 2012 geplanten regionalen Kulturforen sind aber auch offen für alle Interessierten. Mehr Informationen zum Kulturentwicklungskonzept und die Möglichkeit zur Anmeldung für eines der Kulturforen sind auf der Homepage des MWK zu finden.
20 Jahre Schaumburger Landschaft
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, oder „Die Schaumburger Landschaft und die regionale Kulturförderung“
Vortrag aus Anlass des 20jährigen Jubiläums der Schaumburger Landschaft und der Vorstellung der 3. Auflage des Buches „Schaumburger Land“, herausgegeben von der Schaumburger Landschaft, am 13. 2. 2013 in der Alten Polizei in Stadthagen.
Prof. Rolf Wernstedt
Niedersächsischer Kulturminister 1990 - 1998
Präsident des Niedersächsischen Landtages 1998 - 2003
Ich bin im topografisch toten Winkel der alten DDR aufgewachsen, in der Altmark. Dort war natürlich das Schaumburger Land kein Gegenstand des Interesses. Aber meine früheste Erinnerung an diesen Landstrich ist der berühmte Vers aus Heinrich Heines „Deutschland ein Wintermärchen“, das wir damals in der Schule gelesen haben. Ich kenne sie immer noch und weiß eigentlich nicht, warum sie mir im Gedächtnis geblieben sind Es heißt dort, wie Sie sicherlich alle wissen:
„Das halbe Fürstentum Bückeburg
Blieb mir an den Stiefeln kleben;
So lehmichte Wege habe ich wohl
Noch nie gesehen im Leben“ (Caput XIX).
Diese Bemerkung galt natürlich der damals als veraltet empfundenen deutschen Kleinstaaterei.
Im Zuge der nationalen Einigungsbewegung erschienen alle kleinen Souveränitäten als verkrustet und abgeschafft. Dass bei Heine dennoch so etwas wie Heimat, Sehnsucht und Gefühle im Spiel sind, wenn man aus der Ferne schaut, wusste man damals auch. Und Heines scharfe Ironie ist ein leicht zu durchschauender Schutzpanzer gegen sentimentale Heimattümelei.
Ich habe mich bei der Lektüre der Neuauflage dieser heute vorzustellenden Landeskunde, die allen Schülern – ich glaube der 7. Klassen- ausgehändigt werden soll, gefragt, welchen Nerv diese gleichsam integrale Beschreibung eines begrenzten, politisch- territorial mehr als 900 Jahre identifizierbaren Territoriums bei denjenigen treffen mag, die hier leben und aufwachsen.
Die gegenwärtige Zeit wird noch mehr als vor 200 Jahren als rasend schnell und beunruhigend empfunden. Goethe nannte so etwas „velofizerisch“, ein wundervoller Begriff, der die Schnelligkeit und den Teufel, der in ihr steckt, in ein neues Wort zusammenzieht.
Wie viel Beständigkeit kann man im Leben erwarten? Wie ist das mit den Menschen und der Landschaft sowie ihrer Geschichte verbunden? Welche Veränderungen finden ständig statt? Kann man ein Leben auf eine begrenzte Region ausrichten, wo doch die Ortsveränderung und die ständige flexible Einsatzbereitschaft an jedem Ort der Welt als Kardinaltugend einer globalisierten Welt gelten? (R. Sennet „Der flexible Mensch“. Die Kultur des neuen Kapitalismus, Berlin 1998).
Wir sind gezwungen und manchmal auch geneigt, uns den ökonomischen globalisierten Zwängen willenlos und anpassungsstark unterzuordnen.
Max Frisch hat schon vor mehr als 50 Jahren vor dem Homo Ökonomicus gewarnt, in diesen Tagen erscheint das Buch von Frank Schirrmacher, der dieselbe Problematik aktualisiert und dramatisch formuliert.
In dieser Sichtweise erscheint die Besinnung auf den begrenzten Raum von vertrauter oder gar heimatlicher Dimension geradezu als anachronistisch und verstaubt.
Aber bei genauer Hinsicht ist es doch vielleicht lohnend, sich die Frage zu stellen, was ein Leben wert ist, das nur dem ökonomischen Rhythmus unterworfen ist.
Es war Jahrhunderte so, dass die Sorge um das „tägliche Brot“ den Lebenszusammenhang herstellte. Den Trost lieferte die Religion ( Bei Heine kann man auch dieses unübertroffen plastisch nachlesen).
Die unzähligen Berichte über die unsicheren und mageren Ernten, den Hunger, die Sterblichkeit, das Elend, die mangelnde Hygiene, Krankheiten und Mühsal sind bekannt.
Aus diesem Schicksal zu entfliehen hatte man kaum Chancen. Im 18. und 19. Jahrhundert versuchte man es durch Auswanderung, die Handwerker gingen auf die Walz und kamen nicht wieder zurück.
Und dennoch gab es zu allen Zeiten kulturelle Betätigungen, traditionelle Feste, allbekannte Lieder, Erzählungen und Anhänglichkeiten bei denen, die in einer Region zusammenlebten.
Trotz aller Not versuchte man, dem Leben auch freudige, selbstbestimmte und gewohnte Seiten abzugewinnen und zu genießen. Der Lebensraum wurde immer auch von Tätigkeiten bestimmt, die über die ökonomische Determiniertheit hinauswiesen.
Man lebt eben nicht vom Brot allein.
Und in den Rechenschaftsberichten der Schaumburger Landschaft taucht ein Gedanke auf, der mir sehr gefallen hat: dass nämlich Kultur ein Lebensmittel ist.
Nun macht man sich falsche Vorstellungen, wenn man unter Kultur einen unwandelbaren und gleichsam kanonisierten Teil kultureller Betätigungen versteht.
Es ist richtig, dass es ungeheuer wertvolle immer wieder zu genießende und deshalb zu bewahrende kulturelle Formen gibt: Diese können musikalischer, gestalterischer, malerischer, literarischer, sportlicher oder anderer Natur sein. All diesen Dingen widmet die Schaumburger Landschaft auch ihre Aufmerksamkeit, identifiziert und fördert sie.
Das Wichtigste scheint mir dabei zu sein, dass die aktive Bereitschaft zum Mitmachen, zur Identifikation angeregt wird.
Die jährlich zunehmende Zahl der aktiv Teilnehmenden, der Besucherinnen und Besucher zeugen von der Attraktivität der Anregungen und Angebote,
So etwas, wie die jährlich stattfindende konzentrierte Art, den Tag des offenen Denkmals zu begehen, zeugt von Überlegung.
Überregional bedeutsame archäologische oder gar paläontologische Funde, wie die Dinosauriertagung in Obernkirchen im Jahre 2011 bezeugen den weiten Horizont des Engagements.
Historische Vergegenwärtigung wie den schauspielerisch maskierten Umzug des Fürsten Ernst im „Schaumburger Frieden“ im Jahre 2010 machen deutlich, dass Geschichte nicht nur interessant, sondern auch aktivierend und damit identitätsstiftend sein kann.
Mir ist dabei aufgefallen, dass dies keine naive und nur spielerische Angelegenheit ist, sondern auch eine gewisse Distanz erfordert. Man muss wissen, dass wir die alten Zeiten bunt, schön und irgendwie attraktiv finden.
Aber wollten wir sie zurückhaben? Die Not? Die starren Verhältnisse? Die Unfreiheit? Die religiöse Bigotterie? Die festgefügten Formen? Die Ungleichheit? Die schwere körperliche Arbeit? Die mangelnde Mobilität? Die Intoleranz?
Die Kindersterblichkeit? Den Aberglauben? Die grausigen Wohnverhältnisse?
Die Frage scheint schon die Antwort zu sein.
Erst in dieser Vergegenwärtigung liegt der Wert historischen Lernens.
Die Schaumburger Landschaft ist frei von falscher heimatlicher Sentimentalität.
Sie steht für Vielfalt ihrer historischen, geologischen, natur- und kulturräumlichen Blickrichtung.
Gleichzeitig weiß sie, dass es auch neue Formen des Ausdrucks gibt und geben muss und dass diese ihre Berechtigung und Förderungswürdigkeit haben. Jugendkulturelle, touristische und experimentelle Möglichkeiten werden genau geprüft und auch in die Förderung aufgenommen.
Die mediale und ökonomische Totalpräsenz der Welt in einer historisch lang geprägten Landschaft schafft einen zusätzlichen Reiz, sich der Gegenwart in ihrer Vielgestaltigkeit zu vergewissern.
Täglich kreuzen Zehntausende Menschen über die A2 oder die Bahn das Schaumburger Land, bedeutende Betriebe exportieren von Stadthagen oder Obernkirchen ihre Produkte in die ganze Welt. Ich habe schon in Otis- Fahrstühlen in Asien und Amerika gestanden.
Das gehört zu heutigen Leben dazu, und also auch in den hier zu beschreibenden Raum.
Es wäre aber fatal, wenn die ökonomischen Zwänge und die Schnelligkeit sich wirklich als veloziferisch, also als verderblich herausstellen sollten. Dagegen kann man etwas tun, um die Seele zu retten.
Wenn man von Heimat redet, kommt einem gleich eine ganze Kompanie von Assoziationen in den Sinn: Es ist doch der Ort, an dem man geboren und aufgewachsen ist, wo man Wurzeln geschlagen hat, wo die Erinnerungen an Kinderspiele, Schulzeit und erste Liebe wohnen, wo im Frühjahr der Kuckuck ruft und von den alten Kirchen die Glocken läuten usw. Und wenn man lange Zeit weg war und weiß, was Heimweh ist, stellt man erstaunt fest, dass dies alles so gar nicht stimmt.
In meinem Heimatdorf in der Altmark kenne ich nach mehr als 50jähriger Abwesenheit (während der DDR- Zeit mit nur einem Besuch im Jahr, später etwas mehr) mehr Leute auf dem Friedhof als auf der Straße. Ein Teil dessen, was ich mit meiner Heimat verbinde, ist natürlich unwiederbringlich dahin, weil ich dort nicht mitgewachsen bin und ich mich anders verändert habe als die, die dort jetzt leben.
Offenbar schwingt in dem Begriff der Heimat auch immer etwas mit, das man gar nicht verorten kann. Die Ortschaften haben sich verändert, die Landschaften stellen sich anders dar, die Menschen sind verändert oder es sind einfach andere.
Die Erinnerungen bleiben konstant (auch die falschen), die Realität nicht.
Wer also mit dem Heimatbegriff operiert, muss wissen, dass er etwas Schillerndes im Kopf hat.
Es ist eigentlich ein Nicht- Ort, griechisch heißt Nicht- Ort „Ou Topos“, und wir kennen es als Utopie.
Das hat in dieser Klarheit erstmals Bernhard Schlink ausgesprochen, der berühmte Schriftsteller, der den Weltbestseller „Der Vorleser“ geschrieben hat (Bernhard Schlink „Heimat als Utopie“, Frankfurt a. M. 2000).
Vielen Flüchtlingen nach dem Krieg ist es auch so gegangen.
Schlink meint, dass Heimat zu einem ideologischen Begriff aufgeladen wird, wenn man sie festhalten und die Vorstellung davon zur Realität zwingen will.
Das Recht auf Heimat kann in diesem Sinne nur bedeuten, dass man ein Recht hat, sich irgendwo heimisch zu fühlen, aber kein Recht, das Territorium seiner Erinnerungen zu erhalten.
Was bedeutet aber der Fürst Ernst für die hier seit Jahrzehnten lebenden ausländischen Zuwanderer und ihre Kinder? Haben sie einen Bezug zur Schaumburg? Zum Kloster Möllenbeck? Zum Wilhelmsstein? Zur Universität Rinteln? Zu den Schaumburger Trachten?
Sie leben hier und ihre Kinder können dasselbe Heimatrecht hier reklamieren wie der Fürst zu Schaumburg – Lippe oder andere alteingesessene Familien.
Man muss sich offenbar Heimat ständig neu erarbeiten, weil sich vieles unmerklich, manches dramatisch schnell und anderes kaum verändert. Dies zu verstehen, zu gestalten und sich immer neu zu vergewissern, ist mehr als sein materielles Auskommen zu haben und danach zu streben.
An zwei Beispielen kann man ganz deutlich zeigen, wie Vergangenheit und Zukunft nur zusammen verstanden werden können.
In dem heute vorzustellen Buch wird auf vielen Seiten die Tier- und Pflanzenwelt in ihrer naturräumlichen und kulturräumlichen Gestalt vorgestellt.
Das ist ungeheuer lehrreich und anrührend. Mancher wird Tiere und Pflanzen kennenlernen, die er /sie noch gar nicht kannte.
Man wird gewahr, dass die Heimat einem wirklich nicht allein gehört, sondern dass darin so viel Unbekanntes und Schützenswertes kreucht und fleucht, dass man schon noch einmal darüber nachdenken muss, was wir unseren Mitlebewesen (Mitgeschöpfen) eigentlich schuldig sind, und unseren Nachkommen.
Die Debatte um den Charakter unserer Landwirtschaft und unseres Umgang mit der Natur gehört hierher. Und sie ist nichts Anderes als die Frage danach, wie wir in Zukunft leben wollen und welche Verantwortung wir über unser materielles Wohlergehen hinaus haben.
Das andere Beispiel führt in die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Auf wenigen Seiten wird die Frage abgehandelt, wie es denn die Vorfahren mit dem Nationalsozialismus hatten. Ein Flugblatt aus Obernkirchen, das in unglaublicher Brutalität und Hetze gegen die ortsansässigen Juden mobil macht und diejenigen bedroht und sozial verächtlich macht, die noch bei ihnen kaufen, wirft ein Schlaglicht darauf, dass die braunen Männer eben nicht vom Mars kamen, sondern unter den historischen Dächern der eigenen Heimat wohnten.
Wir arbeiten uns seit Jahrzehnten an der Frage ab, wie es zu dem Wegfall aller humanitären und vernünftigen politischen Rücksichtnahme hat kommen können. Auch in Schaumburg, der heimatlichen Region kann diese Frage fruchtbar und für die Zukunft erkenntnisreich bearbeitet werden.
Dabei wäre ein Gesichtspunkt besonders interessant. Selbst in den Wahlen, die der NSDAP hohe Stimmenzahlen brachte, hat sie nie mehr als 50 % erreicht. Bis in die letzten Monate der Weimarer Republik gab es Zehntausende, die nicht NSDAP gewählt haben, sondern SPD und ein kleiner Teil KPD.
Die Frage ist auch hier zulässig, welche charakterlichen und kulturell- politischen Prägungen erkennbar sind, die dazu geführt haben, die reale und potentielle Brutalität des Nationalsozialismus zu erkennen
Es lohnt sich, einen integrierten Blick auf eine solche Landschaft wie Schaumburg zu werfen. Heinrich Heine hatte keine Zeit, hier zu verweilen, auch wenn sein Großvater aus Bückeburg stammte. Aber vielleicht würde er heute auf der Schaumburg einen Cappuccino trinken oder eine Schokolade und den Einfall für ein schönes Gedicht haben, wie einst auf der Marienhöhe in Norderney.
Es gibt einen berühmten Satz des römischen Staatsmanns und Philosophen Cicero, den ich eigentlich immer als sehr opportunistisch verstanden habe. Patria est, ubicumque est bene also: „Das Vaterland ist dort, wo es mir gut geht.“.(Tusc. 5, 37).
Angesichts der vorstehenden Überlegungen könnte man auch anders übersetzen, etwa so:
„Wo ich mich geistig und körperlich wohlfühle, da ist meine Heimat“.
Ein solches Verständnis macht es möglich, die ganze Komplexität und Spannung zwischen angebbarer Verortung und Vorstellung davon einzufangen.
Kulturpreis 2013 "Zeitgeschichte" des Landkreises Schaumburg
Ausschreibung Kulturpreis 2013 "Zeitgeschichte" des Landkreises Schaummburg
Nach Neuem Trachten
Ein Designprojekt der Schaumburger Landschaft in Kooperation mit der Hochschule Hannover, basierend auf den Trachten des Schaumburger Landes, zwischen kreativer Innovation, modischer Funktionalität und Wertschätzung von Tradition. Und lokaler Identität.
Neue Schaumburger Tracht: Pailletten, Wolle und Plexiglas
Niedersachsentag 2013 in Rinteln
in diesem Jahr wird der Niedersächsische Heimatbund seinen 94. Niedersachsentag begehen. Der Niedersächsische Heimatbund lädt gemeinsam mit der Schaumburger Landschaft, dem Landkreis Schaumburg und der Stadt Rinteln in die Stadt Rinteln ein.
Neben dem Symposiumstag und der Mitgliederversammlung am Freitag, wird der Niedersächsische Heimatbund auf der großen Festveranstaltung am Samstag die Rote Mappe 2013 übergeben und die Landesregierung wird mit der Weißen Mappe 2013 antworten.
Bitte merken Sie sich für den Niedersachsentag 2013 Freitag, 24. Mai und Samstag, 25. Mai 2013 in Rinteln vor. Das ausführliche Programm wird rechtzeitig veröffentlicht.
Vorläufiges Programm:
Freitag, 24. Mai 2013
14:00 - 17:30 Uhr Symposium Café Heimat "Wo, was und wie soll unsere Heimat aussehen?", Ort: Der Stadtkater
18:00 - 20:00 Uhr Mitgliederversammlung des NHB, Ort: Der Stadtkater
Samstag, 25. Mai 2013
10:00 Uhr Ökumenische Morgenandacht, Ort: Nikolai Kirche
11:00 - 13:00 Uhr Festveranstaltung - Übergabe der Roten Mappe 2013, Ort: Stadthalle, Brückentorsaal
nachmittags Exkursionen: Steinbruch obernkirchen, Steinzeichen Steinbergen, Kloster Möllenbeck
Platt is Cool - Postkartenwettbewerb an den niedersächsischen Schulen
Platt is cool – Postkartenwettbewerb an den niedersächsischen Schulen 2012
Plattdeutsche Postkarten zum Selbstgestalten
"Platt is cool", das finden spätestens seit der 2010 stattgefundenen Tournee der plattdeutschen Hip Hop-Band "De Fofftig Penns" durch die niedersächsischen Schulen und dem "Plattsounds – Bandcontest" immer mehr Schülerinnen und Schüler. Und so lautet auch das gleichnamige Projekt der niedersächsischen Landschaften und Landschaftsverbände, das mit der Unterstützung der Plattdüütsch Stiftung Neddersassen für mehr Akzeptanz und stärkeren Gebrauch der Regionalsprache Plattdeutsch wirbt. Mit einem Postkartenwettberb möchten die Initiatoren junge Menschen animieren, selbst kreativ zu werden und sich mit Plattdeutsch auseinanderzusetzen.
Dabei konnten zwei Postkarten jeweils bildnerisch und sprachlich gestaltet werden. Muss bei der ersten Karte zu einem vorgegebenen Motiv ein passender plattdeutscher Spruch gefunden werden, ist hingegen bei der zweiten Karte Kreativität bei der Gestaltung eines geeigneten Motivs zum vorgegebenen Spruch "Geiht nich gifft 't nich" gefragt.
Platt is cool und eignet sich besonders als aussagekräftige und moderne Sprache, um Situationen und Ereignisse in einer Ausdruckskraft zu kommentieren, wie dies im Hochdeutschen oft nicht möglich ist.
Die gestalteten Postkarten wurden von einer fachkundigen Jury ausgewählt.
Die Siegerkarten gingen anschließend in den Druck und wurden in ganz Niedersachsen verteilt. Zudem sorgen zusätzliche Plattdeutschpreise als Motivation bei der Aktion mitzumachen. Eine Beteiligung ist auch im Internet auf der Webpräsenz www.platt-is-cool.de möglich.
Rolf-Bernd de Groot wird Schaumburg fehlen
Man könnte einen Nachruf traditionell anfangen, indem man die Ämter des Verstorbenen aufzählt; einiges käme hier bei Rolf-Bernd de Groot zusammen. Aber damit würde man diesem Menschen nicht gerecht, der weder Ämter noch Titel brauchte, um zu gestalten, mitzumachen und aufzubauen. Rolf-Bernd de Groots Sache war es nie, Dinge voranzutreiben, indem man sie zuspitzt. Er moderierte die Menschen lieber in die Richtung, von der er überzeugt war, dass es die Richtige ist.
eine Säule der Schaumburger Landschaft
Als 1992 bei der Gründung der Schaumburger Landschaft eine Arbeitsgruppe Museen und Volkskunde eingerichtet wurde, kannten sich viele Mitarbeiter der einzelnen Museen nicht und hatten die anderen Museen noch nie besucht. Rolf-Bernd de Groot, seit 1992 Sprecher der Arbeitsgruppe, gelang es, die Museen zu einer ersten gemeinsamen Aktion der Museen in Schaumburg zu bewegen. Ein kleiner Führer zu Schaumburger Museen wurde erstellt, der bis heute in mehreren Auflagen fortgeführt wurde. Der nächste Schritt war es, die Museen zu einer abgestimmten Festlegung von Schwerpunkten zu bewegen. Mitgeholfen hat dabei die Einrichtung eines gemeinsamen Depots für Schaumburger Museen in Obernkirchen. In wenigen Regionen Deutschlands arbeiten Museen so eng zusammen wie in Schaumburg. Das ist Rolf-Bernd de Groots Verdienst.
Doch seine große Kompetenz und Leidenschaft beschränkte sich nicht auf die Museumsarbeit. De Groot machte sich auch als Historiker und Autor einen Namen. Mit Herzblut sammelte er über Jahre Materialien zur Geschichte der Schaumburger Juden, insbesondere der Obernkirchener Juden. Daraus wurde ein brillantes Werk „Jüdisches Leben in der Provinz“. Ein Buch, das exemplarisch Schicksale jüdischer Familien in Schaumburg seit 1560 beschreibt. Ein Buch, das bundesweit mit großem Interesse aufgenommen wurde. Als begabter Autor wirkte er an mehreren Publikationen mit. Zuletzt bei dem Schulbuch „Schaumburger Land – eine kleine Landeskunde“, die in diesen Tagen erscheinen wird.
Eine weitere unerwartete Facette seines Könnens zeigte Rolf-Bernd de Groot beim „Schaumburger Frieden“. Anlässlich 900 Jahre Schaumburg zog der Renaissancefürst Ernst zu Schaumburg mit Begleitung elf Tage lang durch Schaumburg. Der Beichtvater des Fürsten Ernst wurde von Rolf-Bernd de Groot überzeugend dargestellt, so überzeugend, dass ein Unterschied zu den professionellen Schauspielern nicht zu bemerken war. Die Rolle des Beichtvaters war ihm auf den Leib geschrieben. Die Kenntnis der Geschichte der Zeit, sein hintergründiger Humor und sein schauspielerisches Talent machten ihn zu einem Charakterdarsteller, den man nicht vergisst.
Rolf Bernd de Groot war einer der Motoren und Säulen der Kulturarbeit der Schaumburger Landschaft.
Herzblut für Obernkirchen
Obernkirchen lag Rolf-Bernd de Groot am Herzen, ob es um sein Stadt- und Bergmuseum, um die Info-Galerie, um die Fördervereine für Kirche und Stift, um die SPD-Fraktion im Stadtrat oder um das Internationale Obernkirchener Bildhauer-Symposium ging. Seine Politik der kleinen Schritte passt wohl in eine ländliche Umgebung, die eben nicht nur bewundernswertes Engagement, sondern auch sehr profane Interessen und Eitelkeiten prägen; Obernkirchen ist hier nicht besser oder nicht schlechter als andere Städte.
Wenn Rolf-Bernd de Groot schaukelnd wie ein Seebär den Obernkirchener Kirchplatz querte, war immer Zeit für einen Schnack (aber nie für Tratsch). Wer jedoch wissen wollte, wie dieser Mensch tickt, musste sich im Stadion von Hannover 96 neben ihn und seine Fußballkumpels stellen. Er litt mit den Spielern und freute sich für sie, aber er hob sie nicht in den Himmel und verwünschte sie zehn Minuten später in die Hölle, wie es krakeelende Fans manchmal tun. Nein, Rolf-Bernd de Groot liebte dieses Spiel auf eine altmodische Weise. Nie ging er in die "AWD-Arena", sondern immer ins "Niedersachsenstadion".
Als er altersbedingt die Obernkirchener Stadtverwaltung verließ, heuerte er auf einem Containerschiff an und karriolte monatelang um Eckchen der Welt, die andere nur vom Atlas kennen. Die Reise sollte der Auftakt für einen neuen Abschnitts seines Lebens sein, in dem er noch viel - nein: sehr viel - vorhatte. Das Museum wollte er zukunftsfest machen, und ein Buch wollte er schreiben über Obernkirchens Geschichte. Dieser neue Lebensabschnitt ist viel zu schnell zu Ende gegangen. Am Samstag, 2. Februar 2013 ist Rolf-Bernd de Groot einer schweren Krankheit erlegen.
Schulbuch "Schaumburger Land - Eine kleine Landeskunde"
"Was bringt es mir", so kann man sich fragen, "wenn ich etwas über die Kultur, über die Geschichte und die Natur meiner Umgebung erfahre? Die kenne ich doch, hier bin ich zu Hause! Warum sollte icch mich für das interessieren, was ganz selbstverständlich da ist?!"
Viele denken heute so. Die täglichen Nachrichten aus aller Welt und die ganzen Werbebotschaften drängen uns ja geradezu, den Blick von unserem Standort weg auf das Ferne, Unbekannte und Spektakuläre zu richten. Dabei erwecken diese Meldungen den Anschein, als sei alles ganz wichtig für uns und als seien wir ganz nah dran am Geschehen. Das ist aber nicht so. Wir können nicht hingehen und überprüfen, ob alles stimmt, was berichtet wird.
Anders ist es, wenn man sichz auf das einlässt, was einen unmittelbar umgibt. Der Ort oder die Gegend wo man geboren wurde, wo man wohnt, wo man sich zu Hause fühlt - die Heimat also - bietet uns nicht nur eine überschaubare Region, in der wir uns bewegen können und gut auskennen. Hier können wir auch gefühlsmäßige Übereinstimmung finden. Hier können wir riechen, schmecken, schauen und zuhören. Wir können hinter die Fassaden blicken, die Ereignisse und Probleme von verschiedenen Seiten beleuchten. So werden wir mit Land und Leuten vertraut und haben das Gefühl, dazuzugehören.
Früher ergab sich das automatisch, weil die meiten Menschen dort blieben, wo sie geboren wurden und aus dieser Geborgenheit nicht herausgingen. Die weite Welt war auch weit weg. Damals konnte man das Große des Lebens im räumlich Kleinen finden. Uns heute treibt die Freiheit ins Große und Größere. Dafür muss man ausgerüstet sein. Wenn man einmal gelernt hat, wie man sich in seiner Region verankert, dann steht auch das Tor zur Welt weit offen. Mit dem geschäften Blick und den Fragen, mit denen man die heimatliche Umgebung betrachtet und hinterfragt hat, ist man auch in der Lage, sich andere Kulturräume, sei es in Deutschland, in Europa oder in aller Welt, als neues Zuhause auf Urlaubs- oder Lebenszeit anzueignen.
Dieses Buch über die Geschichte, die Landschaft, die Kultur des Schaumburger Landes soll zur Eroberung des Naheliegenden anregen. Im Gegensatz zu einer wissenschaftlichen landeskunde, die auf überblick und auf Vollständigkeit zielt, lassen die hier zusammengetragenen Texte immer auch so viel unbeantwortet, dass weiter gedacht und gesucht werden kann.
Das Schaumburger Land bietet so eine bunte Mischung an interessanten Themen, dass es vielen Schaumburgerinnen und Schaumburgern und solchen, die es werden wollen, nicht schwer fallen dürfte, Verstand, Herz und Gemüt für diese kleine Region zu öffnen.
erscheint in der Reihe Kulturlandschaft Schaumburg der Schaumburger Landschaft, Band 8
ISBN 978-3-07509703-8. Paperback l Fadenheftung l 24 x 17 cm l 288 Seiten l farb. Abbildungen. 14.80 €
Westermann Verlag
Das Buch ist ab Februar 2013 im Buchhandel erhältlich.
Tag des offenen Denkmals 2013
Gemeinsam mit den Eigentümern der Denkmale, den Gemeinden und vielen ehrenamtlich Mitwirkenden haben wir am 8. September 2013 von 10 bis 18 Uhr in den Schaumburger Wald eingeladen.
Private Eigentümer, Denkmalpfleger, ehrenamtliche Helfer und engagierte Vereine, die sich der Erhaltung historischer Bauten und Städten widmen, leisten alle einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung des Reichtums unseres kulturellen Erbes. Sie werden Ihre Denkmale öffnen, die sonst nicht allgemein zugänglich sind und tragen dazu bei, Bekanntes einmal anders zu sehen.




