Tuchplombe aus Osnabrück

Eine nahezu vollständig erhaltene Stiftplombe (Dm. 33,4 mm, Gew. 29,5 g) kam bei einer Metallsondenprospektion in der Flur „Vor dem Escherberge“, zwischen Gut Wormsthal und Escher in der Gemeinde Auetal (Ldkr. SHG) zu Tage. Eine Seite zeigt das sechsspeichige Osnabrücker Rad, die andere Seite die Zahl 49. Es ist anzunehmen, dass es sich bei der Plombe um eine Tuchplombe für Osnabrücker Wolltuch handelt. Bei der Zahl 49 kann es sich um eine Mengenangabe, ein Qualitätsmerkmal oder eine Herstellerkennziffer handeln.
Die Wollweber der Stadt Osnabrück waren in der Großen Rosenstraße ansässig. Hier fanden 2015 und 2016 bauvorgreifende archäologische Untersuchungen statt. Die Rosenstraße wurde 1306 in einer Urkunde erstmals erwähnt (als platea rosarum) und war bis in das 18./19. Jahrhundert hinein Sitz der Weber und Tuchmacher. In der Akziserolle von 1460/70 wird das Tuch „Rosenstrater“ als qualitätvolles Wolltuch genannt, das in der Rosenstraße von dort ansässigen Webern und Tuchmachern hergestellt wurde. Seit dem 15. Jahrhundert nahm die Bedeutung des Osnabrücker Textilexports zu und der „Rosenstrater“ wurde insbesondere nach Westeuropa verschickt: in die Niederlande, nach Belgien und nach England. Bereits 1345 erhielten die Neustädter Wollweber das Privileg Tuche nach einer Qualitätskontrolle mit einem Bleisiegel zu versehen. Es durfte nur einheimische Wolle genutzt werden, so dass es zu einem Aufschwung des lokalen Wollhandels kam. Das Viehschatzregister aus dem 15./16. Jahrhundert weist eine hohe Zahl von im Hochstift gehaltenen Schafen nach. Darunter viele Schafe, die Bürgern der Stadt gehörten und auf Höfen im Umland gehalten wurden. Um 1600 gab es rund 300 Wollweber in der Stadt und das Gewerbe stellte die höchste Zahl an Meistern in Osnabrück. Aus dieser Zeit mag auch die aktuelle in Escher entdeckte Stiftplombe stammen.

F, FM, FV: M. Hothan, Auetal; SL-Nr. 2021/721