Kunstprojekt „Fahnenwehen“
Mit dem Kunstprojekt „Fahnenwehen“ möchte die Schaumburger Landschaft in Kooperation mit der Stadt Bückeburg der bildenden Kunst im öffentlichen Raum neue Sichtbarkeit verleihen. Von April bis Oktober 2026 werden zehn künstlerisch gestaltete Fahnen in der Bückeburger Fußgängerzone gehisst. Losgelöst von gesellschaftlichen Kontexten und Funktionen, sollen die Fahnen Leichtigkeit und Bewegung in sich tragen. Durch ihre transluzente Materialität entstehen in Wechselwirkung mit Sonne, Wolken und Wind lebendige Farbspiele und sich ständig wandelnde Perspektiven. In ihrer bunten Abfolge im Straßenverlauf und im Zusammenspiel unterschiedlicher Temperamente, Techniken und Farben verweisen sie zugleich auf die Vielfalt künstlerischen Lebens im Schaumburger Land.
Auf eine entsprechende Ausschreibung haben sich bis zum 31. Dezember 2025 44 Künstlerinnen und Künstler bzw. gestalterisch tätige Personen beworben, die im Schaumburger Land leben, hier geboren sind oder einen Bezug zur Region haben. Eine Fachjury, bestehend aus den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Kunst der Schaumburger Landschaft, Gudrun Frommhage, Antje Langner, Thomas Ritter und Peter Weber, haben aus den Bewerbungen zehn Motive ausgewählt, die mit starker Fernwirkung und heiterem Charakter im Stadtbild eine ebenso überraschende wie positive Atmosphäre schaffen.
Nachstehend stellen wir Ihnen die Fahnen der ausgewählten Künstlerinnen vor.
Bettina Bradt

Bettina Bradt
Ein fotografisches Motiv, das sofort für sich gewinnt. Wer unterliegt nicht der Faszination von Sternschnuppen oder sommerlichem Feuerwerk? Es fällt ein intensives Leuchten hinab ins Dunkel. Wie in einer Langzeitbelichtung regnet es Farbspuren und ein Licht geht auf, schafft Raum für pure Freude, reinen Sehgenuss.
Vanessa Hain

Vanessa Hain
Vanessa Hain zeigt ein Fahnenmotiv, das in seiner sommerlichen Leichtigkeit und Verspieltheit den Eindruck gemalter Poesie pure erweckt. Spontane, ineinandergreifende Pinselspuren, in einer breiten Palette lichter, lebhafter Farben gehalten, geben dem Bildausschnitt Leben und Bewegtheit. Darüber ist ein leichtes Dripping gelegt, das den Bildeindruck festigt und Tiefe verleiht. Dem Credo der jungen Künstlerin, mit ihrer Kunst „Leichtigkeit und Freude“ vermitteln zu wollen, hat sie in dieser Arbeit überzeugend entsprochen.
Esther Hansen

Esther Hansen
Mit einem geflügelten Wagen, vielleicht Platons Seelenwagen, geht es hinauf in die Welt der Ideen, ein locker skizzierter Kopf erscheint, halb frech, halb träumend. Darüber eine moderne Venus, umrisshaft, grau, zum Kopf hin abbildhaft sich zeigend. Selbstbewusst blickt sie zum Betrachter herüber, Zeichen einer Selbstwerdung, Individuation. Alles Figurative ist eingebettet in farbige Spuren und Einsprengsel aus kühlen Tönen in der Tiefe hin zu warmem Gelb und Ocker in der Zone des Weiblichen. Es gibt viel zu sehen, viel zu entdecken in diesem komplexen Werk, das die Betrachtenden beansprucht, aber auch assoziative Freiheiten lässt.
Iris Könemann

Iris Könemann
Das Fahnenmotiv vermittelt in seiner effektvollen Ausschnitthaftigkeit die Unbeschwertheit eines Sommertages und führt dabei den regionalen Bezug durch den ikonischen Bogen des Sprungturms sofort vor Augen. Unkonventionell wird die Komposition mit einem Sprung ins kühle Nass eröffnet. Dahinter ziehen Schwimmerinnen und Schwimmer ihre Bahnen, bringen Bewegung in die Wasserfläche, lassen sie lebendig aufleuchten. Darüber, kompakter nun, liegt ein Streifen Grün unter einem blau-weißen Sommerhimmel. Ein heiteres Bild, das Bückeburger Lebensfreude vermittelt.
Uta Niehues

Uta Niehues
Die Arbeit wirkt wie ein Ausschnitt aus einer Comicstory. Wem galt die süße Fracht, die nun zur Bestürzung der „Himmelsstürmerin“, so der Titel, hinab zur Erde purzelt? Wer ist dort auf welcher Mission an Bord des Fliegers beisammen? Jeder mag sich seinen eigenen Reim darauf machen oder in der Betrachtung der verlockenden Fracht verweilen, die ihm in Pink und Himmelblau zuckersüß in den offenen Mund fällt. Auch wenn hier Schwerkraft waltet, bleibt die Szene doch bar aller Erdenschwere – ein Motiv, wie geschaffen für ein sommerliches Fahnenwehen.
Hedwig Oeldig

Hedwig Oeldig
Der tiefe Horizont des Bildes lässt den Blick in die Höhe schweifen. Ein Blick, der dominiert wird von zwei Pinienstämmen, die, in Korrespondenz zum gestreckten Format, emporstreben, um sich in schattenhaft blauer Schwärze ihrer Kronen zu vereinen. Im Hintergrund reiht sich weiteres lichtes Gehölz, nunmehr in hellen Grüntönen gehalten, vor sommerlichem Himmelsblau. Südliche Sommertage – Reiseeindrücke sind eine wichtige Inspirationsquelle der Künstlerin. Das Bild lädt die Betrachtenden ein, eigene Erinnerungen beizutragen. Es ist handwerklich souverän gestaltet. Aus lebhaften, flächigen Strichlagen heraus entwickelt sich ein stimmiger Zusammenhang, der Leben und Atmosphäre verleiht.
Vera Pawelzik

Vera Pawelzik
Der Entwurf Vera Pawelzicks bedient sich einer ungegenständlichen, konstruktiven Formensprache. Auf den zweiten Blick offenbart er Bückeburger Bezüge, etwa die Haube des Schlossturms, die Kuppel des Mausoleums, der Sprungturm des Bergbades, bis hin zu den roten Knöpfen der Bückeburger Tracht, was zu figurativen, anthropomorphen Anklängen wie Kopf oder Arm überleitet. Die formale Abstrahierung und Verschmelzung von Ding- und Menschenwelt mündet letztlich wieder in die Ausgewogenheit einer streng symmetrisch gebauten, zugleich spielerisch wirkenden Komposition, die ein formales Eigenleben führt im Verein mit einer delikaten Farbgebung.
Tania Smolka

Tania Smolka
Das Motiv greift die alte künstlerische Tradition des Wolkenbildes auf und bringt es zwischen naturalistischer Anschauung und malerischer Abstraktion zum Leuchten. Hauchzartes Gewölk schwebt vor einem kräftigen Blau des Himmels herein, um sich alsbald aufzulösen und zu einem lichten grauen Grund herabzusinken. In ihm werden nunmehr feine Rinnsale als Spuren eines malerischen Prozesses sichtbar. Und wandert der Blick zurück zu den Wolken, zeigt sich auch hier eine unterschwellige Intervention, die die Tiefe des Himmels auf den Malgrund zurückverweist. Ein Schweben stellt sich ein, eine luftige Welt, die das Fahnenwehen in sich selbst verkörpert.
Maximiliane Spieß

Maximiliane Spieß
Das Bild zeigt ein buntes Kaleidoskop Bückeburger Motive einerseits, eine klare Rasterung und Farbbeschränkung andererseits. Das lädt zum Entdecken ein, vielleicht auf den Spuren einer mittig auftauchenden Figur wie aus frühen Popart-Zeiten. Mit ihr kann die Reise gehen vom architektonischen Relikt der manieristischen Stadtkirche bis hin zur Eiswaffel, in der Fußgängerzone erstandenen. Motive, die jeweils ihre eigene Bildsprache besitzen und eigene Beziehungen eingehen. Unübersehbar stammt das alles aus dem großen Erfahrungsschatz der Künstlerin als Designerin und Illustratorin.
Lisa Starke

Lisa Starke
Das Fahnenmotiv der Künstlerin, groß geworden mit „Witz, Wärme und Lebensklugheit“ der plattdeutschen Sprache, ist ein echter Hingucker. In seiner frontalen Nahsicht und seinen plakativ eingesetzten Farbkontrasten zeigt es ein surreal anmutendes Szenario von hoher, durchaus provokativer Präsenz. Die unkonventionell gewandete, damit offenbar „nach Neuem trachtende“ Person bleibt zu Häupten verhüllt von einer mohnblütenartigen Kreation, auf der sich zwei (Friedens)Tauben niedergelassen haben. Die Sicht bleibt der Person versperrt. Ist ihr vom Zustand dieser Welt schwindelig, „twilsch in‘n Koppe“? Eine Befindlichkeit, die hier verblümt wie unverblümt auf den Punkt gebracht wird und den Reichtum dieser Sprache aus seiner vermeintlich angestaubten Ecke holt.
