Mittelalter/Neuzeit: Städte

Feuerstelle eines frühneuzeitlichen Hauses einer Stadtkerngrabung in Nienburg

Mühlenstr. 2–6 Nienburg (2010)

Die Firma Arcontor führte beim Neubau des Gebäudes Mühlenstr. 2-6 unter der Leitung von K. Kablitz mehrwöchige Ausgrabungen durch, die die Spuren der städtischen Bebauung seit dem Hochmittelalter sicherten. Das Gelände wurde wahrscheinlich im 11./12. Jahrhundert in Streifenparzellen besiedelt, also schon mit Gründung der Stadt. Im Laufe der Jahrhunderte lagerten sich an dieser Stelle über 1 m mächtige Kulturschichten ab. Ein Hortfund mit spätrömischen Münzen der Mitte des 4. Jahrhunderts zeigt eine Siedlung der späten römischen Kaiserzeit auf dem Areal der erst viel später gegründeten Stadt an. Ein Feuersteindolch aus Helgoländer Flint belegt außerdem Fernhandel zum Ende der Jungsteinzeit.

Grabungsidyll in Nienburg. Spätrömische Münze

 

Markt Hameln (2010)

In Hameln konzentrierten sich die Arbeiten 2010 auf die Areale um die Marktkirche und das Hochzeitshaus. Großflächige Umgestaltungen der Pflasterungen verbunden mit einer Erneuerung unterirdischer Leitungen wurden in erster Linie von J. Schween und K. Suchowa archäologisch betreut. Wichtig sind die mehrfach freigelegten mittelalterlichen Marktoberflächen und Bebauungsspuren abgegangener Gebäude, darunter dem im Krieg zerstörten Rathaus. Eine Gebäudegruppe an der Ecke Osterstr./Bäckerstr. wurde anscheinend nach einem Brand im 16. Jahrhundert aufgegeben. Das Gelände wurde der Freifläche des Marktes zugeschlagen und ein Brunnen an dieser Stelle errichtet.

Untersuchung auf dem Markt in Hameln. Holzdaube eines mittelalterlichen Trinkbechers

 

Hubschraubermuseum Bückeburg (2010)

In Bückeburg wurde der Neubau des Hubschraubermuseum am ehemaligen Burgmannshof archäologisch begleitet, wo sich Spuren der zugehörigen spätmittelalterlichen/frühneuzeitlichen Nebengebäude fanden.

Baustellensituation bei der Bergung am Burgmannshof Bückeburg

 

Synagoge Hameln (2010)

Beim Neubau eines jüdischen Gemeindehauses am Standort der 1938 zerstörten Synagoge (Bürenstr. 6) wurden die erhaltenen Fundamente dokumentiert und Reste der Innenausstattung gesichert. Schmauchspuren und zerschmolzene Reste der bunten Bleiverglasung bezeugen die Ereignisse der Reichspogromnacht. Die Funde sind in der Dauerstellung des Hamelner Museum zu sehen.

Geschmolzenes Glas eines Synagogenfensters von der Reichspogromnacht in Hameln

 

Osterstr. 46 (FIZ) Hameln (2010)

Beim Umbau des sog. Heldschen Hauses (Osterstr. 46) wurde ein vermutlich mittelalterliches Steinwerk erkundet, das im bestehenden Gebäude des 16. Jahrhunderts als Keller weitergenutzt wurde. Damit gehört es zur wohl zu den ältesten bestehenden profanen Bauten in Hameln.

Grabung im Keller Osterstr. 46 in Hameln

 

Osterstr./Bäckerstr.

Hameln (2011) In Hameln konnte J. Schween bei Bodeneingriffen, die durch die Umgestaltung der Bäckerstr. und Osterstr. notwendig wurden, an mehreren Stellen Schichtenabfolgen und Funde aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit dokumentieren.

 

Markt Sachsenhagen (2010)

Bei einer Baustellenkontrolle am Markt in Sachsenhagen wurden spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Baureste, teilweise mit Holzerhaltung entdeckt, die auf die Zeit vor dem großen Brand im Jahre 1619 zurückgehen, der den Ort weitestgehend zerstörte.

Zinnbecher der frühen Neuzeit aus Sachsenhagen